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Der Weinhüter

Paul Heyse

(1862-63)


Im September eines Jahres, dessen Stadt- und Dorfgeschichten aus Menschengedenken schon entschwunden sind, saß um die schwüle Mittagszeit ein junger Bursch mitten in dem wuchernden Rebenwald, der, dicht an die Stadt Meran herantretend, die Südabhänge des Küchelberges bedeckt. Die übermannshohen Laubengänge, in denen hier der Wein gezogen wird, waren mit dem Segen dieses Jahres so beladen, daß ein dunkelgrünes Zwielicht durch die langen lautlosen Gassen schwebte, zugleich eine träge stockende Glut, in der kein Luftzug Wellen schlug. Kaum wo die kleinen Felstreppen zwischen den einzelnen Weingütern schroff bergan laufen, spürte man, daß man ins Freie auftauchte. Denn das Meer von Siedeglut, das in dem weiten Talkessel wogte, schlug hier doppelt schwer über dem unbeschützten Haupte zusammen. Auch sah man selten einen Menschen des Weges wandern. Nur zahllose Eidechsen liefen feuerfest treppauf treppab und raschelten durch das zähe Efeugestrüpp, das die Grundmauern der Rebenäcker reichlich umrankt. Die dunkelblauen Trauben mit den großen dickschaligen Beeren hingen dichtgedrängt oben an der Wölbung der Laubengitter, und ein seltsam perlender Ton ward in der tiefen Mittagsstille dann und wann hörbar, als kreise vernehmlich der Saft und koche am Sonnenfeuer in dem edlen Gewächs.

Der Bursch aber, der in halber Höhe des Berges einsam unter den Reben saß, schien für diese geheimnisvolle Na

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Der Weinhüter, page 1
by Paul Heyse

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